BEI_NRW Bedarfsermittlung

Was ist das BEI_NRW? Alle Lebensbereiche, Beispielfragen und Tipps, wie Sie sich auf das Gespräch mit LVR oder LWL vorbereiten. Kostenlose Begleitung.

Von der AssistenzPlus-Fachredaktion · Stand: Juni 2026

Was ist BEI_NRW?

BEI_NRW steht für Bedarfsermittlungsinstrument Nordrhein-Westfalen. Der vollständige Name lautet "BEI_NRW: Bedarfe ermitteln, Teilhabe gestalten". Es ist das standardisierte Verfahren, mit dem LVR und LWL den individuellen Unterstützungsbedarf von Menschen mit Behinderung ermitteln.

Das BEI_NRW basiert auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation. Statt nur die Diagnose zu betrachten, fragt das BEI_NRW nach den konkreten Auswirkungen der Behinderung auf den Alltag: Was können Sie? Wo brauchen Sie Unterstützung? Was sind Ihre Ziele?

Das BEI_NRW wird im Rahmen des Gesamtplanverfahrens eingesetzt, sowohl bei der Erstbedarfsermittlung als auch bei der Fortschreibung bestehender Leistungen. Es ersetzt die frühere Hilfebedarfsgruppen-Einteilung durch eine individuelle, personenzentrierte Bedarfsermittlung.

Das Ergebnis des BEI_NRW bestimmt direkt, welche Leistungen Sie erhalten und in welchem Umfang. Eine gute Vorbereitung auf das Gespräch ist deshalb entscheidend.

Welche Lebensbereiche werden abgefragt?

Das BEI_NRW orientiert sich an den neun Lebensbereichen der ICF. In jedem Bereich wird gefragt, welche Tätigkeiten Sie selbstständig ausführen können und wo Sie Unterstützung benötigen:

Für jeden Lebensbereich werden außerdem Barrieren (was erschwert die Teilhabe?), Ressourcen (was gelingt bereits?) und Förderfaktoren (was hilft Ihnen?) erfasst.

Wie läuft das Bedarfsermittlungsgespräch ab?

Das BEI_NRW-Gespräch ist ein persönliches Treffen mit einem Sachbearbeiter des LVR oder LWL. Der Ablauf folgt einem festen Schema:

  1. Einladung: Sie erhalten eine schriftliche Einladung zum Bedarfsermittlungsgespräch. Das Gespräch findet in der Regel bei Ihnen zu Hause, in der Regionaldirektion oder an einem neutralen Ort statt.
  2. Vertrauensperson: Sie dürfen eine Person Ihres Vertrauens zum Gespräch mitbringen. Das kann ein Angehöriger, ein Betreuer oder ein Mitarbeiter von AssistenzPlus sein.
  3. Gespräch: Der Sachbearbeiter geht die neun Lebensbereiche der ICF durch. Zu jedem Bereich werden Ihre aktuelle Situation, Ihre Wünsche und Ihre Ziele besprochen. Das Gespräch dauert in der Regel 60 bis 120 Minuten.
  4. Dokumentation: Die Ergebnisse werden im BEI_NRW-Bogen dokumentiert. Sie haben das Recht, den ausgefüllten Bogen einzusehen und Korrekturen zu verlangen.
  5. Gesamtplan: Auf Basis des BEI_NRW erstellt der Kostenträger einen Gesamtplan, der Ihre Leistungen, Ziele und den Stundenumfang festlegt.

Das Gespräch ist kein Test, bei dem Sie "bestehen" müssen. Es ist ein Dialog, der Ihren tatsächlichen Bedarf abbilden soll. Seien Sie ehrlich und beschreiben Sie auch schwierige Situationen.

Wie bereite ich mich optimal vor?

Die richtige Vorbereitung macht einen großen Unterschied. Wer seinen Bedarf konkret beschreiben kann, erhält in der Regel passgenauere Leistungen. Folgende Schritte helfen:

AssistenzPlus begleitet Sie zum BEI_NRW-Gespräch und hilft Ihnen bei der Vorbereitung. Wir kennen die Fragen und wissen, welche Informationen für eine angemessene Bewilligung entscheidend sind.

Was passiert nach dem Gespräch?

Nach dem BEI_NRW-Gespräch erstellt der Kostenträger (LVR oder LWL) den Gesamtplan. Dieser enthält:

Sie erhalten den Gesamtplan zur Stellungnahme. Prüfen Sie sorgfältig, ob Ihr Bedarf korrekt abgebildet ist. Wenn Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch einlegen.

Auf Basis des Gesamtplans erhalten Sie den Bewilligungsbescheid. Darin steht der konkrete Stundenumfang Ihrer Assistenz. In NRW liegen die Stundensätze für Assistenz über einen Assistenzdienst bei 33 bis 45 €. AssistenzPlus übernimmt die Abrechnung mit dem Kostenträger.

Die Bedarfsermittlung wird regelmäßig fortgeschrieben. Ändert sich Ihr Bedarf (z. B. durch Verschlechterung des Gesundheitszustands), können Sie jederzeit eine neue Bedarfsermittlung beantragen. Erfahren Sie mehr über das Persönliche Budget im Info-Zentrum.

Häufige Fragen: BEI_NRW Bedarfsermittlung

Was passiert, wenn ich zum Gespräch nicht erscheine?
Wenn Sie den Termin nicht wahrnehmen können, sagen Sie rechtzeitig ab und bitten Sie um einen neuen Termin. Erscheinen Sie wiederholt nicht, kann der Kostenträger die Mitwirkung anmahnen. Im schlimmsten Fall wird der Antrag abgelehnt. Sagen Sie lieber einmal ab, als den Termin platzen zu lassen.
Darf ich das Gespräch aufzeichnen?
Eine Tonaufnahme ohne Zustimmung des Sachbearbeiters ist nicht zulässig. Sie dürfen aber eine Vertrauensperson mitbringen, die sich Notizen macht. Außerdem haben Sie das Recht, den ausgefüllten BEI_NRW-Bogen einzusehen und eine Kopie zu verlangen.
Wie oft wird die Bedarfsermittlung wiederholt?
Die Bedarfsermittlung wird in der Regel alle 1 bis 2 Jahre fortgeschrieben, je nach Bewilligungszeitraum. Bei wesentlichen Änderungen Ihrer Lebenssituation (z. B. Umzug, Verschlechterung des Gesundheitszustands) können Sie jederzeit eine vorzeitige Fortschreibung beantragen.
Kann AssistenzPlus mich zum Gespräch begleiten?
Ja. Sie haben das Recht, eine Person Ihres Vertrauens mitzubringen. AssistenzPlus kennt das BEI_NRW-Verfahren aus der täglichen Praxis und kann sicherstellen, dass alle relevanten Bedarfe angesprochen werden. Die Begleitung ist kostenlos.
Was ist der Unterschied zwischen BEI_NRW und Pflegebegutachtung?
Das BEI_NRW ermittelt den Bedarf an Eingliederungshilfe (SGB IX) und fragt nach Teilhabe in allen Lebensbereichen. Die Pflegebegutachtung durch den MDK ermittelt den Pflegegrad (SGB XI) und konzentriert sich auf den Pflegebedarf. Beide Verfahren sind unabhängig voneinander und ergänzen sich.
Bestimmt das BEI_NRW, wie viele Stunden Assistenz ich bekomme?
Das BEI_NRW ermittelt Ihren Bedarf in den neun Lebensbereichen. Auf Basis des ermittelten Bedarfs legt der Kostenträger im Gesamtplan den Stundenumfang fest. Je konkreter Sie Ihren Bedarf im Gespräch beschreiben, desto passgenauer fällt die Bewilligung aus.

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