Pflegegrad höherstufen: Wenn der Bedarf steigt
Ein einmal festgestellter Pflegegrad ist nicht in Stein gemeisselt. Wenn der Pflegebedarf zunimmt, etwa durch eine fortschreitende Erkrankung, einen Krankenhausaufenthalt oder zusaetzliche Diagnosen, koennen Sie jederzeit eine Hoeherstufung beantragen. für Menschen mit Behinderung ist das oft entscheidend, weil mit dem hoeheren Pflegegrad auch mehr Geld fuer Assistenz und Pflege zur Verfuegung steht. Wir erklaeren Schritt fuer Schritt, wie der Antrag gelingt, was die Begutachtung pruefen wird und welche Rechte Sie bei einer Ablehnung haben.
Wann lohnt sich eine Hoeherstufung?
Eine Hoeherstufung ist sinnvoll, wenn sich der Pflegebedarf seit der letzten Begutachtung deutlich erhoeht hat. Typische Anlaesse sind das Fortschreiten einer chronischen Erkrankung wie Multiple Sklerose, eine neue Diagnose, ein Sturz mit dauerhaften Folgen oder eine zunehmende kognitive Beeintraechtigung. Auch wenn die Mobilitaet abnimmt, der Hilfebedarf bei der Koerperpflege steigt oder mehr Unterstuetzung in der Alltagsgestaltung noetig wird, ist ein Antrag gerechtfertigt. Die Erfolgsaussichten sind nach Erfahrungen der Verbraucherzentralen besonders gut, wenn neue medizinische Befunde vorliegen oder ein Krankenhausaufenthalt dokumentiert ist.
So beantragen Sie die Hoeherstufung in vier Schritten
Der Antrag ist formlos und unkompliziert. Ein kurzer Satz reicht, etwa: "Hiermit beantrage ich die Hoeherstufung meines Pflegegrades, da sich mein Pflegebedarf erheblich verschlechtert hat." Senden Sie das Schreiben an Ihre Pflegekasse. Folgende Schritte sind zu beachten:
- Schritt 1: Antrag formlos einreichen, am besten per Einschreiben oder ueber das Online-Portal der Pflegekasse.
- Schritt 2: Pflegetagebuch fuehren, mindestens zwei Wochen lang, mit allen pflegerischen Taetigkeiten und dem Zeitaufwand.
- Schritt 3: Aktuelle aerztliche Atteste, Krankenhausberichte und Therapieberichte sammeln.
- Schritt 4: Pflegedokumentation des Assistenzdienstes oder Pflegedienstes anfordern und beim Begutachtungstermin bereithalten.
Die Pflegekasse hat 25 Arbeitstage Zeit, um zu entscheiden. Bei akuter Verschlechterung verkuerzt sich die Frist auf 5 oder 10 Tage. Ueberschreitet die Kasse die Frist, koennen Sie 70 Euro Entschaedigung pro angefangener Woche Verzug verlangen.
Was prueft der Medizinische Dienst bei der Begutachtung?
Der Medizinische Dienst (MD), frueher MDK, kommt erneut zu Ihnen nach Hause und prueft sechs Lebensbereiche nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA): Mobilitaet, kognitive Faehigkeiten, Verhalten und psychische Lage, Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen sowie Gestaltung des Alltagslebens. Aus den Punkten wird der neue Pflegegrad berechnet. Wichtig ist, beim Termin ehrlich und konkret zu schildern, was an einem schlechten Tag passiert. Viele Antragsteller verharmlosen ihre Situation aus Stolz und erreichen dadurch keine Hoeherstufung. Lassen Sie idealerweise eine Vertrauensperson oder einen Assistenten dabei sein, der die Schilderung ergaenzen kann.
Was tun, wenn die Hoeherstufung abgelehnt wird?
Bei einer Ablehnung haben Sie genau einen Monat ab Zustellung des Bescheids Zeit, um Widerspruch einzulegen. Statistiken der Verbraucherzentralen zeigen, dass 30 bis 40 Prozent der Widersprueche erfolgreich sind, vor allem wenn neue Nachweise nachgereicht werden. Der Widerspruch sollte zunaechst formlos eingelegt werden, um die Frist zu wahren. Die ausfuehrliche Begruendung kann nachgereicht werden. Fordern Sie unbedingt das vollstaendige MD-Gutachten an und pruefen Sie es auf Fehler. Haeufig wurden Beeintraechtigungen falsch bewertet oder ganz uebersehen. Hat sich der Zustand nach der Begutachtung weiter verschlechtert, kann statt eines Widerspruchs auch ein neuer Hoeherstufungsantrag sinnvoll sein.
Haeufige Fehler beim Antrag
Viele Antraege scheitern an vermeidbaren Fehlern. Der haeufigste: Antragsteller wirken beim Begutachtungstermin zu fit, weil sie sich besonders zusammenreissen. Schildern Sie stattdessen den schlechtesten typischen Tag. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Dokumentation. Ohne Pflegetagebuch und aerztliche Atteste hat der Gutachter keine Grundlage fuer eine hoehere Einstufung. Auch das Verschweigen psychischer Belastungen oder kognitiver Einschraenkungen kostet wertvolle Punkte. Wer alleine lebt und keinen Beistand beim Termin hat, sollte sich vorher Notizen machen und diese vorlegen.
So unterstuetzt AssistenzPlus
AssistenzPlus begleitet Menschen mit Behinderung in NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz nicht nur bei der Assistenz im Alltag, sondern auch bei Antraegen rund um Pflegegrad und Eingliederungshilfe. Wir helfen beim Ausfuellen des Antrags, bereiten Sie auf die Begutachtung vor und beraten zur optimalen Kombination von Pflegegeld und Persoenlichem Budget. Unsere Pflegedokumentation ist auf Wunsch direkt fuer die MD-Begutachtung nutzbar. Vereinbaren Sie jetzt ein kostenloses Erstgespraech ueber unser Kontaktformular oder informieren Sie sich im Budget-Info-Zentrum ueber Ihre Moeglichkeiten. Weitere Hilfen finden Sie in unseren Ratgebern zum Pflegegrad-Antrag und zum Widerspruch bei der Eingliederungshilfe.