Droht die Abschaffung von Pflegegrad 1? Was 860.000 Betroffene wissen müssen

Die Bundesregierung diskutiert aktuell einen brisanten Vorschlag: Pflegegrad 1 soll komplett abgeschafft werden. Rund 860.000 Menschen in Deutschland wären davon direkt betroffen. Das Einsparpotenzial wird auf 1,8 Milliarden Euro jährlich geschätzt, doch der politische und gesellschaftliche Widerstand wächst.

Was bedeutet das konkret?

Pflegegrad 1 wird derzeit an Menschen vergeben, die in ihrer Selbstständigkeit „gering beeinträchtigt“ sind. Die Leistungen umfassen unter anderem:

Bei einer Abschaffung würden all diese Leistungen ersatzlos wegfallen, es sei denn, Betroffene werden in Pflegegrad 2 hochgestuft.

Warum wird darüber diskutiert?

Die Pflegeversicherung steht unter enormem finanziellen Druck. Die Beiträge wurden bereits mehrfach angehoben, und eine weitere Erhöhung gilt als politisch kaum durchsetzbar. Die Streichung von Pflegegrad 1 wäre ein schneller Spareffekt, allerdings auf Kosten der Schwächsten.

Sozialverbände und die Opposition laufen Sturm. Die Linke sprach von einem „sozialpolitischen Skandal“, der VdK warnte vor einer „Zweiklassengesellschaft in der Pflege“. Auch der Pflegerat betonte, dass gerade die frühe Unterstützung in Pflegegrad 1 dazu beitrage, schwerere Pflegebedürftigkeit zu verhindern.

Was bedeutet das für Menschen mit Behinderung?

Für Menschen mit Behinderung, die über das Persönliche Budget oder die Eingliederungshilfe Leistungen beziehen, hätte die Abschaffung zunächst keine direkten Auswirkungen, da Pflegeleistungen und Eingliederungshilfe getrennte Systeme sind. Allerdings gibt es viele Betroffene, die beide Systeme parallel nutzen.

Unser Rat: Wenn Sie aktuell Pflegegrad 1 haben und unsicher sind, ob eine Höherstufung in Frage kommt, lassen Sie sich beraten. Wir unterstützen Sie bei der Einschätzung und bei einem möglichen Antrag.

Wie geht es weiter?

Eine finale Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Gesetzesentwurf wird voraussichtlich im März 2026 im Bundeskabinett beraten. Wir halten Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Brauchen Sie Unterstützung? Kontaktieren Sie uns, unsere Beratung ist kostenlos und unverbindlich. Oder schauen Sie sich unsere offenen Stellen an, wenn Sie selbst in der Assistenz arbeiten möchten.