Ausgleichsabgabe 2026: Höhere Sätze bis 815 Euro je Platz
Am 31. März 2026 wurde es für viele Arbeitgeber teuer. Erstmals wurden die angehobenen Sätze der Ausgleichsabgabe fällig, und die haben es in sich. Wer keine schwerbehinderten Menschen beschäftigt, zahlt bis zu 815 Euro pro unbesetztem Pflichtplatz. Jeden Monat.
Worum geht es bei der Ausgleichsabgabe?
Jedes Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen muss fünf Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen besetzen. Klingt nach einer klaren Regel. In der Praxis sieht es anders aus: Tausende Betriebe zahlen lieber die Abgabe, als tatsächlich einzustellen. Das Geld fließt ans Integrationsamt und finanziert dort Arbeitsplatzanpassungen, Integrationsfachdienste und Zuschüsse.
Bis zum 31. März des Folgejahres müssen alle Betriebe ab 20 Beschäftigten ihre Beschäftigungsdaten elektronisch an die Bundesagentur für Arbeit melden und die Abgabe überweisen. Für das Erhebungsjahr 2025 hieß das: Stichtag war der 31. März 2026. Wer die Frist versäumt, riskiert Mahngebühren und Säumniszuschläge.
Die neuen Abgabesätze im Überblick
Die Staffelung richtet sich danach, wie weit ein Betrieb von der Fünf-Prozent-Quote entfernt ist. Pro unbesetztem Pflichtplatz und Monat fallen an:
- 3 bis unter 5 Prozent erfüllt: 155 Euro
- 2 bis unter 3 Prozent erfüllt: 275 Euro
- Über 0 bis unter 2 Prozent erfüllt: 405 Euro
- 0 Prozent (kein einziger schwerbehinderter Mitarbeiter): 815 Euro
Die vierte Stufe gilt seit dem Anzeigejahr 2024 und wurde zum 31. März 2025 erstmals fällig, damals mit 720 Euro. Bis einschließlich 2023 zahlten Null-Beschäftiger denselben Satz wie Betriebe mit einer Quote knapp unter zwei Prozent. Heute kostet es rund doppelt so viel. Der Gesetzgeber hat diese Stufe mit dem Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarkts eingeführt, um gezielt Betriebe unter Druck zu setzen, die bislang keinen einzigen schwerbehinderten Menschen eingestellt haben.
Ein Rechenbeispiel
Ein mittelständisches Unternehmen mit 100 Beschäftigten hat fünf Pflichtplätze für schwerbehinderte Menschen. Stellt es keinen einzigen ein, fallen 5 mal 815 Euro pro Monat an. Das sind 4.075 Euro monatlich, aufs Jahr gerechnet 48.900 Euro.
Beschäftigt dasselbe Unternehmen drei schwerbehinderte Mitarbeiter, sinkt die Abgabe drastisch: zwei offene Plätze mal 155 Euro ergeben 310 Euro im Monat. Jährlich 3.720 Euro. Über 45.000 Euro Unterschied. Schon wenige Einstellungen verändern die Rechnung komplett.
Auch kleinere Betriebe sind betroffen. Ein Handwerksbetrieb mit 40 Mitarbeitern muss zwei Pflichtplätze besetzen. Beschäftigt er niemanden mit Schwerbehinderung, gilt für ihn die Sonderregel für Betriebe mit 40 bis 59 Arbeitsplätzen (§ 154 Abs. 1 und § 160 Abs. 2 SGB IX): 465 Euro je Platz, also 930 Euro monatlich und 11.160 Euro im Jahr. Geld, das sich anders investieren ließe.
Was das für den Arbeitsmarkt bedeutet
Genau das ist das Ziel. Laut Bundesagentur für Arbeit waren 2025 im Jahresdurchschnitt rund 185.000 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen arbeitslos gemeldet, im Schnitt besser qualifiziert als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung. Gleichzeitig fehlen überall Fachkräfte. Gerade in NRW steckt hier ungenutztes Potenzial.
Und Arbeitgeber stehen nicht allein da. Das Integrationsamt finanziert technische Arbeitshilfen, übernimmt Kosten für Umbauten und zahlt Eingliederungszuschüsse. Integrationsfachdienste beraten kostenlos bei der Auswahl geeigneter Bewerber und begleiten die Einarbeitung. Viele Arbeitgeber berichten, dass die anfänglichen Bedenken schnell verschwinden, sobald die Zusammenarbeit beginnt.
Wer am Arbeitsplatz Persönliche Assistenz braucht, kann Arbeitsassistenz nach § 185 SGB IX beantragen. Die Kosten einer als notwendig festgestellten Arbeitsassistenz trägt das Integrationsamt, unabhängig vom Einkommen (§ 185 Abs. 5 SGB IX). So lassen sich auch Arbeitsplätze realisieren, die ohne Unterstützung nicht möglich wären.
Wie AssistenzPlus helfen kann
Ob Alltagsassistenz, Freizeitassistenz oder ein anderes Modell: AssistenzPlus berät Menschen mit Behinderung in NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz und hilft dabei, die passende Lösung zu finden. Alle Infos zur Finanzierung gibt es im Info-Zentrum zum Persönlichen Budget. Oder Sie nehmen direkt Kontakt mit uns auf.
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