Pflegegeld 2027: Das plant die Pflegereform
Das Bundesgesundheitsministerium hat Anfang Juni 2026 den Referentenentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vorgelegt. Der Entwurf ordnet das Pflegegeld und alle weiteren Leistungen der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2027 komplett neu und enthält zugleich ein milliardenschweres Sparpaket. Für Menschen mit Behinderung, die Pflegeleistungen und Eingliederungshilfe kombinieren, lohnt sich ein genauer Blick. Stand Anfang August 2026 ist das Gesetz noch nicht beschlossen: Der Kabinettsbeschluss steht weiter aus, und seit dem 29. Juli 2026 führt Carsten Linnemann statt Nina Warken das Bundesgesundheitsministerium.
Was ist das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)?
Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) ist der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom Juni 2026 zur Neuordnung der Pflegeversicherung ab 2027.
Hintergrund ist die Finanzlücke der Pflegeversicherung: Ohne Gegenmaßnahmen fehlen nach Prognose des Ministeriums 11,2 Milliarden Euro im Jahr 2027 und 20,9 Milliarden Euro im Jahr 2030. Der ursprünglich für Ende Juni 2026 erwartete Kabinettsbeschluss wurde mehrfach verschoben und liegt Anfang August 2026 weiterhin nicht vor. Die erste Lesung im Bundestag wird frühestens im Herbst 2026 erwartet. Wichtig: Es handelt sich um einen Entwurf. Beträge und Details können sich im Gesetzgebungsverfahren noch ändern.
Welche vier neuen Budgets kommen 2027?
Ab dem 1. Januar 2027 sollen vier neue Budgets die bisherigen Geld- und Sachleistungen der Pflegeversicherung ersetzen.
- Entlastungsbudget: ersetzt das Pflegegeld. Geplant sind zum Beispiel 386 Euro monatlich bei Pflegegrad 2 und 1.079 Euro bei Pflegegrad 5.
- Sachleistungsbudget: ersetzt die Pflegesachleistung. Vorgesehen sind 889 Euro (Pflegegrad 2) bis 2.529 Euro (Pflegegrad 5) im Monat.
- Sozialraumbudget: ersetzt für die Pflegegrade 2 bis 5 den bisherigen Entlastungsbetrag von 131 Euro. Es soll 175 Euro monatlich betragen (für Pflegebedürftige unter 25 Jahren: 300 Euro) und auf Alltagsunterstützung beschränkt sein.
- Überbrückungsbudget: ersetzt ab dem 1. Januar 2027 die bisherige Kurzzeitpflege in Akutsituationen; die neuen Akut-Kurzzeitpflege-Strukturen folgen ab 2028. Geplant sind bis zu 1.855 Euro jährlich für die Pflegegrade 2 und 3 sowie bis zu 2.285 Euro für die Pflegegrade 4 und 5.
| Pflegegrad | Pflegegeld 2026 (heute) | Entlastungsbudget 2027 (geplant) | Pflegesachleistung 2026 (heute) | Sachleistungsbudget 2027 (geplant) |
|---|---|---|---|---|
| Pflegegrad 2 | 347 Euro | 386 Euro | 796 Euro | 889 Euro |
| Pflegegrad 3 | 599 Euro | 638 Euro | 1.497 Euro | 1.590 Euro |
| Pflegegrad 4 | 800 Euro | 889 Euro | 1.859 Euro | 2.089 Euro |
| Pflegegrad 5 | 990 Euro | 1.079 Euro | 2.299 Euro | 2.529 Euro |
Wichtig für den Vergleich: Beim Neueinstieg in Pflegegrad 2 oder 3 soll es das Entlastungsbudget in den ersten drei Monaten nur zur Hälfte geben, also 193 statt 386 Euro (Pflegegrad 2) und 319 statt 638 Euro (Pflegegrad 3). Für Pflegegrad 1 ist kein Entlastungsbudget vorgesehen, der bisherige Entlastungsbetrag von 131 Euro entfällt dort ersatzlos.
Achtung, Verwechslungsgefahr: Das neue Entlastungsbudget des PNOG ist nicht identisch mit dem heutigen Entlastungsbudget von 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Dieses Jahresbudget gibt es seit Juli 2025, das PNOG-Budget ersetzt dagegen künftig das Pflegegeld.
Wird das Pflegegeld 2027 erhöht oder gekürzt?
Der PNOG-Entwurf kürzt das Pflegegeld nicht direkt: Das geplante Entlastungsbudget liegt mit 386 bis 1.079 Euro monatlich je nach Pflegegrad rund 39 bis 89 Euro über dem heutigen Pflegegeld.
Netto muss das trotzdem keine Erhöhung bedeuten, weil Pflegehilfsmittel und selbst organisierte Ersatzpflege künftig aus diesem Budget mitfinanziert werden sollen. Bis zur Reform bleibt alles beim Alten: Für 2026 ist keine Pflegegeld-Erhöhung vorgesehen, die letzte Anhebung um 4,5 Prozent kam zum 1. Januar 2025. Ob die geplanten Beträge so kommen, entscheidet das Gesetzgebungsverfahren, das frühestens im Herbst 2026 im Bundestag beginnt.
Wo plant der PNOG-Entwurf Kürzungen?
Der PNOG-Entwurf sieht neben den neuen Budgets auch Einsparungen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr vor.
Konkret nennt der Entwurf unter anderem diese Punkte: Im Pflegegrad 1 entfällt der Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich ersatzlos, stattdessen ist eine intensivierte Beratung vorgesehen. Wer neu in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft wird, erhält das Entlastungsbudget in den ersten drei Monaten nur zur Hälfte. Die jährliche Anpassung der Leistungen soll sich künftig nur noch an der durchschnittlichen Kerninflation der drei Vorjahre orientieren und zusätzlich durch die Entwicklung der Bruttolöhne gedeckelt werden. Auch die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige sollen sinken. Höhere Leistungszuschläge im Pflegeheim greifen erst nach längerer Aufenthaltsdauer als bisher.
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Was bedeutet die Pflegereform für Menschen mit Behinderung?
Die Eingliederungshilfe nach dem SGB IX ist von der Pflegereform nicht direkt betroffen, ihre Leistungen laufen unverändert weiter.
Das Persönliche Budget nach § 29 SGB IX bleibt bestehen. Wer allerdings Pflegegeld und Eingliederungshilfe kombiniert, muss seine Finanzierung ab 2027 neu sortieren: Aus dem Pflegegeld wird das Entlastungsbudget, aus dem Entlastungsbetrag der Pflegegrade 2 bis 5 wird das Sozialraumbudget mit 175 Euro. Die Pflegeversicherung bleibt eine Teilleistung. Persönliche Assistenz im Alltag, in der Freizeit oder rund um die Uhr wird weiterhin vor allem über die Eingliederungshilfe finanziert.
Wie bereiten Sie sich auf die Pflegereform 2027 vor?
Bis zum geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2027 ändert sich nichts, alle aktuellen Leistungen gelten unverändert weiter.
Sinnvoll ist trotzdem ein Kassensturz: Welche Pflegeleistungen nutzen Sie heute, welche Ansprüche aus der Eingliederungshilfe kommen dazu? AssistenzPlus begleitet Menschen mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz von der Antragstellung bis zur fertigen Assistenzlösung. Stand 6. August 2026 gilt: Ein Kabinettsbeschluss liegt weiterhin nicht vor. Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann, seit dem 29. Juli 2026 im Amt, will den bisherigen Kurs in Gesundheit und Pflege fortsetzen. Der Bundestag berät frühestens im Herbst 2026. Wir verfolgen das Verfahren weiter und halten Sie auf dem Laufenden. Ausführliche Informationen zum Persönlichen Budget finden Sie in unserem Budget-Info-Zentrum. Oder nehmen Sie direkt Kontakt auf.