Pflegeneuordnungsgesetz 2027: Was der Entwurf ändert

Stand: 1. Oktober 2026. Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Gesetzentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann beschlossen. Der Entwurf ordnet das Pflegegeld und weitere Leistungen der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2027 neu und soll die Pflegeversicherung im Jahr 2027 um rund 6,25 Milliarden Euro entlasten. Ein Gesetz ist das noch nicht: Jetzt beraten Bundestag und Bundesrat. Wie viel Geld es 2027 je Pflegegrad geben soll, steht direkt in der Tabelle unten.

Pflegegeld und Leistungen je Pflegegrad 2027

Die folgende Tabelle stellt den heute geltenden Stand 2026, der bis zu einer Gesetzesänderung unverändert weiterläuft, neben die Beträge aus dem Kabinettsentwurf vom 30. September 2026 für 2027. Alle 2027er-Werte sind Entwurf und noch kein Gesetz.

PflegegradPflegegeld 2026 (heute geltend)Entlastungsbudget 2027 (Entwurf, ersetzt das Pflegegeld)Pflegesachleistung 2026 (heute geltend)Sachleistungsbudget 2027 (Entwurf)
Pflegegrad 1kein Pflegegeldkein Entlastungsbudget vorgesehenkeine Pflegesachleistungnicht vorgesehen
Pflegegrad 2347 Euro380 Euro796 Euro890 Euro
Pflegegrad 3599 Euro630 Euro1.497 Euro1.590 Euro
Pflegegrad 4800 Euro890 Euro1.859 Euro2.090 Euro
Pflegegrad 5990 Euro1.080 Euro2.299 Euro2.530 Euro

Alle Beträge gelten pro Monat. Ein Gesetz ist das noch nicht. Die Spalten 2026 sind geltendes Recht, die Spalten 2027 stammen aus dem Gesetzentwurf der Bundesregierung und können sich in Bundestag und Bundesrat noch ändern. Gegenüber dem Referentenentwurf vom Juni hat das Kabinett die Beträge leicht geändert, etwa beim Entlastungsbudget für Pflegegrad 2 von 386 auf 380 Euro. Die im Juni geplante Halbierung des Entlastungsbudgets in den ersten drei Monaten nach einem Neueinstieg steht im Kabinettsentwurf nicht mehr. Pflegegrad 1 bleibt bestehen, der heutige Entlastungsbetrag von 131 Euro soll dort aber entfallen.

Neben Pflegegeld und Sachleistung plant der Entwurf zwei weitere Budgets: ein Sozialraumbudget von 175 Euro monatlich für die Pflegegrade 2 bis 5, das den heutigen Entlastungsbetrag von 131 Euro ablöst (300 Euro für Pflegebedürftige unter 25 Jahren), und ein Überbrückungsbudget von bis zu 2.285 Euro im Jahr für die Pflegegrade 2 bis 5.

Was ist das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)?

Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) ist der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Neuordnung der Pflegeversicherung ab 2027, beschlossen vom Kabinett am 30. September 2026.

Hintergrund ist die Finanzlücke der Pflegeversicherung: Nach geltendem Recht rechnet der Gesetzentwurf mit einem Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2027 und rund 15,4 Milliarden Euro im Jahr 2028. Der ursprünglich für Ende Juni 2026 erwartete Kabinettsbeschluss wurde mehrfach verschoben. Grundlegende Reformen soll eine Strukturkommission ab Oktober erarbeiten. Wichtig: Es handelt sich weiter um einen Entwurf. Beträge und Details können sich im Gesetzgebungsverfahren noch ändern.

Welche vier neuen Budgets kommen 2027?

Ab dem 1. Januar 2027 sollen vier neue Budgets die bisherigen Geld- und Sachleistungen der Pflegeversicherung ersetzen.

Die Beträge je Pflegegrad stehen in der Tabelle am Anfang dieses Artikels. Eine ausführliche Gegenüberstellung aller Pflegegrade mit Rechenbeispielen finden Sie in unserem Artikel Pflegegeld 2027: Tabelle nach Pflegegrad.

Achtung, Verwechslungsgefahr: Das neue Entlastungsbudget des PNOG ist nicht identisch mit dem heutigen Entlastungsbudget von 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Dieses Jahresbudget gibt es seit Juli 2025, das PNOG-Budget ersetzt dagegen künftig das Pflegegeld. Den Gemeinsamen Jahresbetrag und die Verhinderungspflege als eigene Leistung soll es nach dem Entwurf ab 2027 nicht mehr geben, Ersatzpflege wird dann aus den neuen Budgets bezahlt.

Wird das Pflegegeld 2027 erhöht oder gekürzt?

Der PNOG-Entwurf kürzt das Pflegegeld nicht direkt: Das geplante Entlastungsbudget liegt mit 380 bis 1.080 Euro monatlich je nach Pflegegrad rund 31 bis 90 Euro über dem heutigen Pflegegeld.

Netto muss das trotzdem keine Erhöhung bedeuten, weil Pflegehilfsmittel und selbst organisierte Ersatzpflege künftig aus diesem Budget mitfinanziert werden sollen. Bis zur Reform bleibt alles beim Alten: Für 2026 ist keine Pflegegeld-Erhöhung vorgesehen, die letzte Anhebung um 4,5 Prozent kam zum 1. Januar 2025. Ob die geplanten Beträge so kommen, entscheiden jetzt Bundestag und Bundesrat. Eine jährliche Anpassung aller Leistungsbeträge sieht der Entwurf ab 2029 vor, die für 2028 geplante Anpassung soll entfallen.

Wo plant der PNOG-Entwurf Kürzungen?

Der PNOG-Entwurf sieht neben den neuen Budgets auch Einsparungen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr vor.

Konkret sieht der Kabinettsentwurf unter anderem diese Punkte vor: Im Pflegegrad 1 soll der Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich entfallen, stattdessen ist eine fachliche Pflegebegleitung vorgesehen. Für neue Anträge sollen ab 2027 die Punkteschwellen der Begutachtung steigen: Pflegegrad 1 ab 15 statt 12,5 Punkten, Pflegegrad 2 ab 30 statt 27 und Pflegegrad 3 ab 50 statt 47,5 Punkten. Wer schon eingestuft ist, soll seinen Pflegegrad nicht allein wegen der neuen Schwellen verlieren. Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe soll es nicht mehr als eigene Leistung geben. Die jährliche Anpassung der Leistungen soll sich ab 2029 an der durchschnittlichen Kerninflation der drei Vorjahre orientieren und durch die Entwicklung der Bruttolöhne gedeckelt werden. Auf der Einnahmenseite soll ab 2027 der Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,6 auf 0,9 Prozent steigen. Die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige soll die Pflegeversicherung laut Ministerium weiter in vollem Umfang zahlen, für Pflegepersonen mit Altersrente sollen sie künftig mit Erreichen der Regelaltersgrenze enden. Die im Referentenentwurf geplanten längeren Wartezeiten bei den Heimzuschlägen enthält der Kabinettsentwurf nicht.

Sie fragen sich, was das für Ihre Situation bedeutet? Unser Team berät Sie kostenfrei.

Was bedeutet die Pflegereform für Menschen mit Behinderung?

Die Eingliederungshilfe nach dem SGB IX ist von der Pflegereform nicht direkt betroffen, ihre Leistungen laufen unverändert weiter.

Das Persönliche Budget nach § 29 SGB IX bleibt bestehen. Wer allerdings Pflegegeld und Eingliederungshilfe kombiniert, muss seine Finanzierung ab 2027 neu sortieren: Aus dem Pflegegeld wird das Entlastungsbudget, aus dem Entlastungsbetrag der Pflegegrade 2 bis 5 wird das Sozialraumbudget mit 175 Euro. Familien, die ein erwachsenes Kind mit Behinderung zu Hause pflegen, trifft das doppelt: Bis zum 25. Geburtstag sieht der Entwurf 300 Euro Sozialraumbudget vor, danach 175 Euro, und die Verhinderungspflege für eine Auszeit fällt als eigene Leistung weg. Die Lebenshilfe nannte die Absenkung von 300 auf 175 Euro ab dem 25. Lebensjahr am 29. September „nicht zu vertreten“ und fordert, dass das Budget über Monate und ins Folgejahr übertragbar bleibt. Die Pflegeversicherung bleibt eine Teilleistung. Persönliche Assistenz im Alltag, in der Freizeit oder rund um die Uhr wird weiterhin vor allem über die Eingliederungshilfe finanziert. Wie eine Versorgung rund um die Uhr zu Hause organisiert wird, beschreibt unsere Seite zur 24-Stunden-Assistenz.

Wie bereiten Sie sich auf die Pflegereform 2027 vor?

Bis zum geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2027 ändert sich nichts, alle aktuellen Leistungen gelten unverändert weiter.

Sinnvoll ist trotzdem ein Kassensturz: Welche Pflegeleistungen nutzen Sie heute, welche Ansprüche aus der Eingliederungshilfe kommen dazu? Nach dem Kabinettsentwurf wird ein Pflegegrad nach dem Recht eingestuft, das bei der Antragstellung gilt. Wer heute schon Pflegebedarf hat, sollte den Antrag deshalb nicht aufschieben. Restguthaben aus dem Entlastungsbetrag nutzen Sie am sichersten noch 2026, eine ausdrückliche Übergangsregel dafür haben wir im Entwurf nicht gefunden. AssistenzPlus begleitet Menschen mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz von der Antragstellung bis zur fertigen Assistenzlösung. Wir verfolgen die Beratungen in Bundestag und Bundesrat und halten Sie auf dem Laufenden. Ausführliche Informationen zum Persönlichen Budget finden Sie in unserem Budget-Info-Zentrum. Oder nehmen Sie direkt Kontakt auf.

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